Tweets von Omid Nouripour

Omid Nouripour, der zurzeit auf einer Auslandsreise in Kabul (Afghanistan) ist, sprach heute Morgen im Interview mit dem Deutschlandfunk davon, dass ein Abzug deutscher Einsatzkräfte aus Afghanistan vor dem Hintergrund des jüngsten Angriffs auf Kundus sehr kurzsichtig wäre.

Nouripour  ist in den letzten 10 Jahren regelmäßig nach Afghanistan gereist. Auch diesmal führte er politische Gespräche und berichtete im Deutschlandfunk, dass der Schock über die Eroberung von Kundus tief sitze. Nach der „euphorischen Stimmung, wie ich sie [dort] noch nie erlebt habe“ nach der Parlamentswahl vor 12 Monaten, sei große Unzufriedenheit über die Regierung der nationalen Einheit eingekehrt. Selbst der Premierminister Abdullah Abdullah, mit dem Nouripour auch sprach, habe „sehr offen zugegeben, dass sie in den letzten zwölf Monaten viel zu viel falsch gemacht haben.“ Der Frust darüber in der Bevölkerung habe die Eroberung von Kundus möglich gemacht, da es „viele Leute gegeben hat, die—nett gesagt—keinen Widerstand geleistet haben“ und auch solche, die zur inneren Zersetzung der afghanischen Sicherheitskräfte aktiv beigetragen hätten.

Letztlich habe man aber 2009 auch zu spät mit der groß angelegten Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte angefangen, womit man Fehlentwicklungen nicht mehr habe auffangen können. Ein Kardinalfehler sei es zudem gewesen, NATO-Beschlüsse ohne Rücksprache mit den Afghanen zu treffen. Die deutsche Antwort auf die Krise in Afghanistan sollte jetzt sein, nicht einfach zu sagen, „wir wollen hier eigentlich nur noch raus, wir wollen damit nichts zu tun haben“. Gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Zahl an Flüchtlingen und Ausreisewilligen aus Afghanistan mit dem Ziel Deutschland sei offensichtlich, dass man in Afghanistan „weiterarbeiten müsse“.

Das vollständige Interview zum Nachhören oder Nachlesen finden Sie auf folgender Webseite: http://www.deutschlandfunk.de/omid-nouripour-abzug-aus-afghanistan-waere-kurzsichtig.694.de.html?dram:article_id=333160

 

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