Tweets von Omid Nouripour

Mit seinen Äußerungen über einen "asiatisch aussehenden Vizekanzler" hat der hessische Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) eine heftige Debatte angestoßen. In einem Interview mit dem Münchner Merkur stellt Omid Nouripour klar, dass Hahn selbst kein Rassist ist, aber mit seiner Äußerung dem Kampf gegen Rassismus in unserem Land keinen Dienst erwiesen hat. Das Interview erschien in der Ausgabe vom 9. Februar 2013:

Herr Nouripour, wollte Hessens FDP-Chef Hahn mit seiner scharf kritisierten Äußerung über den ,asiatisch aussehenden Vizekanzler’ eine Debatte anstoßen?

Die Frage ist doch, was er eigentlich anstoßen wollte. Es ist gut , dass er sich nun entschuldigt hat.  Und es gibt auch keinen Grund, ihn in die Rassisten-Ecke zu stellen. Dennoch bleibt offen, was er uns mit dieser Äußerung eigentlich sagen wollte.     

Wie sinnvoll ist eine Debatte über deutsche Politiker mit Migrations-Hintergrund überhaupt?

Herr Hahn ist auch Integrationsminister in Hessen. Zu diesem Job gehört die Aufgabe, dazu beizutragen, dass gegenseitige Vorurteile abgebaut werden, und dass Rassismus sich nicht  verbreitet. Sich aber dann hinzustellen und zu sagen: Wir als FDP haben ein Problem, und deshalb müssen wir über die Herkunft des Vizekanzlers sprechen, ist nicht geeignet, sich dem Rassismus in den Weg zu stellen. Wir haben Gesetze in diesem Land. Auch Herr Hahn sollte sie als Justizminister Hessens kennen. Man kann nicht Vizekanzler werden, ohne Deutscher zu sein.

Gibt es Rassismus in der Bundesrepublik?

Natürlich gibt es den, und zwar in alle Richtungen. Nicht nur zwischen Deutschen und Ausländern, sondern auch zwischen Gruppierungen mit Migrationshintergrund. Es gibt auch Gruppen und Personen, die rassistische Sprüche gegenüber  Deutschen ohne Migrationshintergrund von sich geben. Deshalb muss man das Thema grundsätzlich angehen. Was man aber auf keinen Fall tun darf, ist vor der Thematik kapitulieren und zu sagen: Wir haben als FDP schlechte Ergebnisse, weil der Vizekanzler keinen urdeutschen Hintergrund hat.

Herr Nouripour, haben Sie auch persönlich negative Erfahrungen gemacht?

Ich erhalte regelmäßig Mails, in denen meine Arbeit auf rassistische Weise diskreditiert wird. Teilweise sind diese Mails aber derart absurd, dass ich nur darüber lachen kann. Ich bin iranisch-stämmig, und meine Lieblings-Mail bleibt bis zum Ende der Welt: ,Scheiß-Araber, geh' zurück in die Türkei’.

Wie reagieren Sie einem solchen Fall?

Die einzige Antwort, die ich darauf geben kann, ist meine Arbeit, ist mein Engagement. Beleidigende E-Mails werden nicht beantwortet. Gehen sie zu weit, prüfen wir auch eine Klage. Und alles andere - und das ist bei weitem die Mehrheit - wird beantwortet.

Wie reif ist Deutschland auf dem interkulturellen Sektor?

Es gibt eine multikulturelle Realität in Deutschland, die seit Jahren ohne Zwischenstörungen durch die Politik  gut  funktioniert. Man blicke nur einmal auf die Nachbarschafts- und Sportvereine, auf die Betriebe, Gewerkschaften und die vielen anderen Einrichtungen, die für Neuankömmlinge in diesem Land geradezu unglaubliche Unterstützungsleistungen erbringen. Und das komplett ohne Hilfe der Politik.

Was bedeutet ...

... dass es in der Gesellschaft es sehr gut vorangeht und das Miteinander ausgezeichnet funktioniert. Deshalb sollten die Politik und einige Politiker aufhören, diese Arbeit mit den falschen Parolen zu konterkarieren.

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