Tweets von Omid Nouripour

Mittwoch, den 29. März 2017
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Am 28. März 2017 sprach Omid Nouripour mit dem Psychologen und Autor Prof. Dr. Dr. Kizilhan über die Psychologie des IS im Deutschen Bundestag. Kizilhan berichtete von den Gesprächen mit den Tätern des IS: Es seien ganz "normale" Leute, die sich um ihre Ehefrauen und Kinder sorgen und es als ihre Aufgabe sehen, "Ungläubige“ wie beispielsweise die Jesiden zu foltern, vergewaltigen oder zu ermorden.

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Der IS überfiel im August 2014 verschiedene Dörfer von Jesiden im Nordirak. Sie verübten grausame Massaker an der Bevölkerung: Männer und ältere Frauen wurden hingerichtet, Jungen zu Kindersoldaten gemacht und viele Frauen und Mädchen mehrfach verkauft, gefoltert und immer wieder vergewaltigt. Eine Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrates verurteilte die entsetzlichen Gräueltaten als Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Und diese Gräueltaten dauern bis heute an: Mehr als 3.000 Frauen und Kinder befinden sich noch immer in der Gewalt des IS.

Von den Frauen und Kindern, die sich aus der IS-Gefangenschaft befreien konnten, halten sich noch rund 3.400 im Nordirak auf, wo sie entweder auf sich allein gestellt oder unter schwierigsten Bedingungen in Flüchtlingslagern leben – ohne ausreichende Versorgung, und ohne medizinisch-psychotherapeutische Betreuung. Das erlittene Trauma treibt viele in den Selbstmord. Bis heute sind 60 Suizide dokumentiert. Die dringend erforderliche Nothilfe für diese schwer traumatisierten Frauen und Kinder wird in den nächsten Jahren vor Ort im Nordirak nicht gewährleistet werden können. Es gibt weder geeignete Psychiater und Psychotherapeuten/-traumatologen, noch ausreichend adäquate Unterbringungs-möglichkeiten. Derzeit stehen 5 Psychologen für 2 Millionen Menschen zur Verfügung.

Um das zu ändern, unterstützte Baden-Württemberg die Universität Dohuk beim Aufbau von psychotherapeutischen Betreuungsstrukturen. Im Februar 2017 wurde das "Institute for Psychotherapy and Psychotraumatology" eröffnet. Innerhalb von drei Jahren sollen im Rahmen eines vierjährigen Masterstudiengangs und spezialisierten Therapieausbildungen zunächst 30 Fachkräfte ausgebildet werden: 19 Frauen, 11 Männer – Jesiden, Christen, Suniten, Schiiten. Allein die besondere Zusammensetzung der Studierenden ist ein beeindruckendes Friedensprojekt in sich. Die Studenten haben sich verpflichtet, nach dem Studium mindesten vier Jahre im Irak zu bleiben. Baden-Württemberg hat den Aufbau des Instituts finanziert, ebenso die Stipendien für die ersten 18 Monate. Die Zentralregierung in Bagdad und die kurdische Regierung im Nordirak haben das Projekt unterstützt.

Prof. Dr. Dr. Jan Ilhan Kizilhan ist der Leiter des Instituts. Er hat als als Psychotherapeut/-traumatologe im Rahmen des baden-württembergischen Sonderkontingents „Sonderkontingente für besonders schutzbedürftige Frauen und Kinder aus dem Nordirak“ bereits mehr als 1400 Frauen und Kinder im Nordirak untersucht und begleitet viele von ihnen bis heute psychotherapeutisch. Kizilhan hofft, dass andere Universitäten in der Region nachziehen und hat darauf hingewiesen, dass durch die Arbeit vor Ort wichtige Erkenntnisse auch für die Arbeit mit Migranten in Europa gewonnen werden können.

Foto: Annett Jagiela 

 

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